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Wie in jeder Sozialwissenschaft gibt es in der Ökonomik die unterschiedlichsten Theorieschulen und Methoden. Diese Vielfalt von Erkenntnisansätzen wird jedoch im Wirtschaftswissenschaftlichen Studium nicht dargeboten, da die Ausbildung fast nur eine Theorie – die Neoklassik – lehrt. Den Großteil des Studiums macht die neoklasssiche mikroökonomische Gleichgewichtsmodellierung aus, die alle wirtschaftlichen Phänomene als mathematische Optimierungsprobleme betrachtet. Ein Student der Wirtschaftswissenschaft lernt jedoch damit nur einen äußerst kleinen Ausschnitt der verschiedenen Ansätze kennen. Deshalb besitzen die Studierenden nach dem Studium oft nur diese eine „Brille“, mit der sie auf alle Probleme in gleicher Weise schauen.

Die Fixierung auf die neoklassische Theorie und die davon abgeleiteten Ansätze ermöglicht zwar Erkenntnisse über Marktfunktionen und Wettbewerbseffekte, schließt jedoch ebenso weite Bereiche der Erkenntnis aus, die mit dem begrenztem neoklassischen Instrumentarium nicht erfasst werden können: Machtverhältnisse werden eben so wenig erfasst wie psychologische oder kulturelle Aspekte des Wirtschaftens oder ein Verstehen der Wirtschaft als Nicht-Markt.

Auch die institutionelle Praxis ist von dieser Einseitigkeit geprägt: Fast alle bedeutenden Ökonomen sind Vertreter der Neoklassischen Theorie. Andere Denkschulen und andere Methoden, also Ökonomen mit einer anderen Brille, sucht man sowohl auf den Lehrstühlen wie auch in den Forschungsinstituten meist vergeblich.

Das Repertoire der Ökonomik ist somit vielfältiger, als es im Studium vermittelt und in der Forschung praktiziert wird. Sie hätte viele Denkansätze zu bieten und könnte auch einen offeneren interdisziplinären Austausch mit anderen Wissenschaften wie der Soziologie, der Psychologie, der Physik oder der Biologie pflegen.

Das Netzwerk Plurale Ökonomik hat sich zum Ziel gemacht, Pluralismus und Heterodoxie in die Lehre der Wirtschaftswissenschaft zurückzubringen. Die theoretische und methodische Einseitigkeit der “Mainstream-Ökonomik”, ihr subtil-dogmatisches Auftreten und ihr mittlerweile oft allumfassender Gestaltungsanspruch sind für eine moderne Sozialwissenschaft sehr bedenklich.

Eine Veränderung der volkswirtschaftlichen Lehre hin zu mehr Offenheit und Vielfalt, mehr kritischem Denken und sozialer Verantwortung ist das Ziel der internationalen Kritik.

Da wir im Moment nicht genügend Mitglieder haben, befindet sich unsere Gruppe im Winterschlaf. Es finden daher auch keine Treffen mehr statt, bis wir wieder genügend Leute dabei haben.